„Das Telefon in der Birke“ ist ein besonderes Buch, das wir euch vorstellen möchten. So schrecklich es auch ist: Noch vor ihrem 11. Geburtstag ist Kiri durch einen Unfall gestorben. Für Ayla, Kiris beste Freundin, ist dieser Verlust unbegreiflich. Sie kann und will nicht akzeptieren, dass Kiri nicht mehr zurückkommt.
Immer wieder zieht es sie zu der Birke im Garten – dem Baum, in dem die beiden so oft gespielt haben. Dort sitzt Ayla stundenlang, als könnte sie Kiri durch ihre Nähe zurückholen.
In ihrem Kinderroman erzählt Alison McGhee von Ayla und Kiri, von einer Freundschaft, die selbst der Tod nicht einfach auslöschen kann. Ayla klammert sich an die Hoffnung, dass Kiri in drei Wochen – an ihrem 11. Geburtstag – wieder auftauchen wird. Die Birke, die ihre Eltern einst gepflanzt haben, wird zu ihrem Zufluchtsort. Und eines Tages entdeckt sie dort etwas, das alles verändert: ein altes Telefon, versteckt zwischen den Ästen.
Das Zaubertelefon und die Stimme der Trauer
Eine Nachbarin behauptet, es sei ein Zaubertelefon. Ein fünfjähriger Junge aus der Nachbarschaft flüstert manchmal hinein – er ist überzeugt, dass man damit mit Toten sprechen kann. Auch ein Pizzabote unterbricht seine Touren, um über dieses Telefon mit seinem verstorbenen Vater zu reden. Und ein junger Mann fragt Ayla schließlich, ob sie die Hüterin dieses besonderen Telefons sei.
Eines Tages nimmt Ayla selbst den Hörer ab.
Ein Unfall der alles verändert
Auf knapp 200 Seiten entfaltet Alison McGhee eine große Geschichte voller Trauer, Liebe und leiser Hoffnung. Während Ayla kaum wahrnimmt, was um sie herum geschieht, arbeitet die Autorin mit feinen, sorgfältig gesetzten Motiven. Sie weitet Aylas Blick behutsam, lässt sie innerlich wieder beweglich werden und zeigt, wie ein Kind langsam lernt, mit einem Verlust zu leben, der nie ganz verschwinden wird.
In Aylas Worten spiegelt sich auch das geduldige Vertrauen der Menschen um sie herum. Sie alle hoffen, dass Ayla ihren Weg zurück ins Leben findet – in ein Leben, in dem die Erinnerung an den Schreckenstag bleibt, aber ebenso die Erinnerung an das Glück einer tiefen Kinderfreundschaft.
Diese Rezension schrieb Wolfram Kleinemas, der in der Wolkenschiebergruppe mitarbeitet.




