Ein Ghostbot ist eine KI-gestützte Software, die eine verstorbene Person darstellen soll. Dazu wird die Künstliche Intelligenz mit alten Nachrichten, Inhalten von Social Media Kanälen der verstorbenen Person, Fotos oder Sprachaufnahmen trainiert, damit Angehörige auch nach dem Tod mit dieser in einer virtuellen Welt kommunizieren können.
Viele fragen sich, ob solche digitalen „Ersatzpersonen“ in der Trauerbegeleitung helfen können oder ob sie eher schaden.
Mögliche Vorteile: Trost in der frühen Trauerphase
Für einige Menschen können Ghostbots am Anfang tröstlich sein. Sie geben das Gefühl, weiterhin Kontakt zu einer geliebten Person zu haben. Man kann dem Bot schreiben, Erinnerungen teilen oder einfach „mit ihm reden“. Das kann besonders in den ersten Wochen nach einem Verlust helfen, weil man sich weniger allein fühlt. Manche Menschen finden es beruhigend, ihre Gefühle auszudrücken und das Gefühl zu haben, dass jemand zuhört. Für sie kann ein Ghostbot ein erster Schritt sein, um den Schmerz zu verarbeiten.
Risiken: Wenn der Abschied schwerfällt
Doch die Risiken sind groß und oft wird das unterschätzt. Fachleute warnen, dass Ghostbots den Trauerprozess verlangsamen oder sogar blockieren können. Wenn der Bot sehr echt wirkt, fällt es manchen schwer, den Tod wirklich zu akzeptieren. Sie klammern sich an den digitalen Kontakt und verschieben den Abschied immer weiter. Das kann dazu führen, dass Traurigkeit, Wut oder Verzweiflung länger anhalten oder stärker werden. Besonders gefährdet sind Menschen, die einsam sind oder sich schnell an digitale Angebote binden.
Ethische Fragen: Wem gehören die Daten eines Verstorbenen
Ghostbots werfen mehrere ethische Probleme auf:
- Trauerprozess: Ghostbots können Trauernden kurzfristig helfen, aber langfristig den Abschied erschweren und emotionale Abhängigkeiten fördern.
- Identitätsverzerrung: Digitale Abbilder sind immer nur Interpretationen. Fehlerhafte oder manipulierte Darstellungen können das Andenken verfälschen.
- Einwilligung: Verstorbene können nicht zustimmen, dass ihre Daten, Stimme oder Persönlichkeit für digitale Rekonstruktionen genutzt werden. Es bleibt unklar, ob sie dies zu Lebzeiten gewollt hätten.
- Datenschutz der Hinterbliebenen: Für Ghostbots werden oft sehr persönliche Daten der Angehörigen genutzt. Unklar ist häufig, wie diese gespeichert, weiterverwendet oder gelöscht werden. Dadurch entsteht ein Machtgefälle, das Firmen ausnutzen könnten.
- Kommerzialisierung: Unternehmen könnten aus der digitalen Wiedererschaffung Verstorbener Profit schlagen, ohne Rücksicht auf Würde oder familiäre Interessen.
Fazit: Ein Werkzeug, kein Ersatz
Ghostbots können also nur dann hilfreich sein, wenn man sie bewusst und sehr vorsichtig nutzt. Sie können Erinnerungen wachhalten oder für kurze Momente Trost spenden. Aber sie dürfen niemals echte Beziehungen ersetzen. Wenn man zu viel Zeit mit einem Ghostbot verbringt, kann das dazu führen, dass man sich von der Realität entfernt und den Verlust nicht verarbeitet.
Darum ist es wichtig, sich klarzumachen: Ein Ghostbot ist nur eine technische Nachbildung. Er kann niemals den Menschen ersetzen, den man verloren hat und genau darin liegt die größte Gefahr.
Warum Ghostbots für Kinder besonders problematisch sein können
- Kinder haben ein anderes Verständnis von Tod
Kinder, je nach Alter, verstehen oft noch nicht vollständig, dass der Tod endgültig ist. Ein Ghostbot, der wie Mama, Papa oder ein Großelternteil „antwortet“, kann dieses Verständnis weiter verwirren. Das Risiko besteht darin, das Kinder glauben könnten, die Person sei „doch noch da“. Der Abschied wird erschwert oder sogar verhindert. - Starke emotionale Bindung
Kinder knüpfen schnell Bindungen – auch zu digitalen Figuren. Ein Ghostbot könnte für sie zu einer Art Ersatzperson werden. Das kann dazu führen, dass sie sich weniger echten Menschen anvertrauen, was den Trauerprozess stört. - Gefahr der Abhängigkeit
Wenn ein Kind Trost vor allem beim Bot sucht, kann das zu einer Gewohnheit werden. Das macht es schwerer, Gefühle mit Bezugspersonen zu teilen – etwas, das für Kinder extrem wichtig ist. - Fehlende Fähigkeit zur Einordnung
Erwachsene können (meist) unterscheiden: „Das ist ein Programm, kein Mensch.“ Kinder können das oft nicht. Sie nehmen Antworten wörtlicher und emotional ernster. Was Fachleute allgemein zu Ghostbots sagen:
Auch wenn es keine speziellen Kinderstudien gibt, warnen Expertinnen und Experten, dass Ghostbots den Trauerprozess verlangsamen oder blockieren können – selbst bei Erwachsenen. Für Kinder wäre dieses Risiko vermutlich noch größer.
Fazit:
Es gibt keine gesicherten Erfahrungen mit Ghostbots bei Kindern – aber alles, was wir wissen, spricht dafür, dass sie für Kinder eher gefährlich als hilfreich sind. Kinder brauchen echte Menschen, die mit ihnen sprechen, trösten, erklären und Sicherheit geben. Ein Ghostbot kann das nicht leisten und könnte sogar Schaden anrichten.
weitere Informationen
„Wir hör’n uns, wenn ich tot bin“ – Reportage in der ZDF – Reihe 37° Leben
KI und Trauer: Wie Ghostbots Tote zum Leben erwecken, Deutsches Ärzteblatt 26/2025
Elaine Kasket: Grief Bots and the Future of Mourning
Begriffsklärungen
Chatbot
Ein Chatbot ist ein KI-gestütztes Dialogsystem, das mit Menschen in natürlicher Sprache kommuniziert. Anders als einfache Textroboter früherer Generationen verstehen moderne Chatbots den Kontext von Anfragen und lernen kontinuierlich dazu. SIe bieten ein Serviceerlebnis, das in Qualität und Empathie menschlichen Interaktionen nahekommt – immer mit der Einschränkung, dass sie menschliche Empathie nicht fühlen, sondern lediglich sprachlich nachbilden.
Künstliche Intelligenz
Künstliche Intelligenz (KI, AI – Artificial Intelligence) ist ein Teilgebiet der Informatik, das sich damit beschäftigt, Maschinen Fähigkeiten beizubringen, die wir sonst mit menschlichem Denken verbinden – etwa Lernen, Erinnern, Verstehen oder Reagieren. KI kann menschliche Intelligenz nicht ersetzen, insbesondere nicht in ihrer emotionalen Tiefe. Grundlage jeder KI ist ein intensives Training mit großen Datenmengen, aus denen sie typische Muster und Zusammenhänge ableitet.
Generative AI
Generative AI bezeichnet KI-Systeme, die neue Inhalte erzeugen können – etwa Texte, Bilder oder Sprache. Auf Basis umfangreicher Trainingsdaten lernen diese Systeme, wie bestimmte Inhalte aufgebaut sind, und können daraus neue, ähnliche Inhalte erstellen. Bekannte Beispiele sind der Textgenerator ChatGPT oder die Bilderstellungssoftware DALL-E.
Konversationelle künstliche Intelligenz
Konversationelle KI beschreibt Systeme, die darauf ausgelegt sind, mit Menschen in einen sprachlichen Dialog zu treten. Sie verstehen geschriebene oder gesprochene Sprache und reagieren darauf in möglichst natürlicher Weise.
Virtual Reality
Virtual Reality (VR) bezeichnet computergenerierte, dreidimensionale Erlebnisräume, in die Nutzer mithilfe spezieller Technik vollständig eintauchen können. Diese immersiven Umgebungen können Orte, Situationen oder Begegnungen nachbilden.



