Musiktherapie bietet trauernden Kindern einen geschützten Raum, in dem Gefühle Ausdruck finden dürfen, auch wenn Worte fehlen. Gerade Kinder erleben Trauer oft anders als Erwachsene: Sie pendeln zwischen intensiver Gefühlslast und scheinbarer Unbeschwertheit.
Die Musiktherapeutin Sita Wilking
Musik kann in diesen Momenten eine Brücke schlagen, weil sie Emotionen unmittelbar anspricht und nonverbale Ausdrucksformen ermöglicht. Sita Wilking ist seit 2012 als Musiktherapeutin tätig, nachdem sie ihr Studium der Musiktherapie in den Niederlanden abgeschlossen hat. Sie arbeitet seither in verschiedenen Zentren und Praxen mit Kindern, die psychische Erkrankungen, Entwicklungs- und Verhaltensstörungen, Traumafolgestörungen haben und unter psychosomatischen Beschwerden leiden. Seit Dezember 2019 ist sie in Teilzeit als angestellte Musiktherapeutin in der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Tagesklinik in Detmold tätig, ebenso bei den Wolkenschiebern und im Gütersloher Hospiz.
Erleben statt Leistung – der Ansatz der Musiktherapie
In der musiktherapeutischen Arbeit steht nicht die musikalische Leistung im Vordergrund, sondern das Erleben. Kinder dürfen trommeln, singen, improvisieren oder einfach nur zuhören. Instrumente wie das Klavier, Gitarren, Xylophone und verschiedene Trommeln, helfen, innere Spannungen abzubauen und Gefühle wie Wut, Angst oder Traurigkeit hörbar zu machen.
Freies Spiel als Ausdruck echter Gefühle
Sita Wilking lädt die Kinder zum freien Spiel mit den Instrumenten ein. Sie dürfen sich darin unbeschwert ausprobieren – fröhlich, albern, wütend oder auch unangepasst sein. Gerade Kinder, deren Eltern schwer erkrankt sind, neigen dazu, sich stark anzupassen, um niemanden zusätzlich zu belasten. Im freien musikalischen Ausdruck können sie dagegen zeigen, wie es ihnen wirklich geht. An der Art, wie sie die Instrumente spielen – ob lebhaft, leise und verletzlich oder kraftvoll und dramatisch – erkennt die Musiktherapeutin ihren Gefühlszustand und kann darauf eingehen.
Musikalische Begleitung – Gefühle hörbar machen
Je älter die Kinder sind, desto mehr müssen sie oft erst an das musikalische Ausdrücken herangeführt werden, weil es ihnen ungewohnt ist. Häufig hilft es, wenn Frau Wilking selbst mitspielt. Manchmal beginnt sie ein musikalisches Motiv, manchmal fordert sie die Kinder zum Spielen auf. Durch ihre begleitenden Kommentare unterstützt sie sie dabei, Gefühle wie Wut oder Angst hörbar zu machen und daraus zu anderen, stabileren Gefühlen zu finden. So kommen die Kinder mehr bei sich selbst an.
Kontakt und Miteinander durch Rhythmus
Kinder, die sehr auf sich bezogen sind, lernen zudem, neben ihrem eigenen Rhythmus auch den Rhythmus des anderen wahrzunehmen – ein wichtiger Schritt in Richtung Kontakt und Miteinander.
Durch das gemeinsame Musizieren entsteht ein Gefühl von Verbundenheit und Sicherheit, das besonders in Zeiten des Verlusts wichtig ist.
Selbstwirksamkeit stärken
Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Förderung der Selbstwirksamkeit. Wenn Kinder erleben, dass sie Klänge erzeugen und gestalten können, stärkt das ihr Vertrauen in die eigene Fähigkeit, schwierige Situationen zu bewältigen.
Erinnerungen kreativ verarbeiten: Musiktherapie kann außerdem helfen, Erinnerungen an die verstorbene Person zu verarbeiten. Manche Kinder komponieren kleine Melodien oder wählen Lieder aus, die sie mit dem geliebten Menschen verbinden. Dadurch entsteht ein kreativer Zugang zur Erinnerung, der Trost spenden kann.
Zuhören und zur Ruhe kommen
Auch das Zuhören spielt eine wichtige Rolle. Ruhige Musik kann beruhigen, Struktur geben und Momente der Entspannung schaffen. In einer Zeit, die oft von Chaos und Unsicherheit geprägt ist, bietet Musik einen verlässlichen Halt.
Ein sanfter Weg durch die Trauer: Insgesamt eröffnet Musiktherapie trauernden Kindern einen sanften, kindgerechten Weg, um Gefühle zu verstehen, auszudrücken und zu integrieren. Sie schafft einen Raum, in dem Trauer nicht überwältigend sein muss, sondern in kreative Energie verwandelt werden kann.
Vielen Dank an Sita Wilking für diese Informationen.







