Elternbegleitung bei Trauer – gemeinsam Wege finden

Elternbegleitung bei Trauer – gemeinsam Wege finden

Die Wolkenschieber bieten neben der Begleitung von Kindern auch Einzelgespräche für Eltern und Angehörige an. Im Mittelpunkt steht dabei die gesamte Familie mit ihren unterschiedlichen Trauererfahrungen.

Zu Beginn stellt sich die begleitende Person vor und erzählt, wer sie ist und aus welchem Zusammenhang sie zu den Wolkenschiebern kommt. Gleichzeitig wird gemeinsam erfragt, wer verstorben ist und wie die Familie auf das Angebot aufmerksam geworden ist.
Dabei geht es darum, sowohl die Trauer der Eltern als auch die des Kindes wahrzunehmen. Eltern trauern auf ihre eigene Weise und müssen gleichzeitig für ihre Kinder da sein. Diese Verbindung kann besonders herausfordernd sein.

Wenn Trauer den Alltag verändert

Ein Beispiel verdeutlicht diese besondere Situation: Ein achtjähriger Junge möchte nach dem Tod seines Vaters nicht mehr zur Schule gehen. Im ersten Schritt wird betrachtet, wie die Mutter mit ihrem eigenen Verlust umgeht. Möglicherweise ist sie durch ihre Trauer emotional so belastet, dass ihr die Kraft fehlt, ihrem Sohn den notwendigen Halt und die Alltagsstruktur zu geben.
Gemeinsam wird besprochen, welche Verantwortung sie trotz ihrer eigenen Trauer übernehmen kann. Dazu gehört, dem Kind liebevoll und verständnisvoll zu vermitteln, dass der Schulbesuch weiterhin wichtig ist. Auch der Kontakt zu den Lehrkräften kann entlastend sein, damit diese über die familiäre Situation informiert sind und das Kind entsprechend unterstützen können.

Kinder brauchen Orientierung und dürfen trauern

Eltern sind für ihre Kinder wichtige Vorbilder im Umgang mit Trauer. Kinder beobachten, wie Erwachsene mit Verlust und Gefühlen umgehen, und entwickeln daraus Orientierung für ihren eigenen Trauerprozess. Deshalb ist es wichtig, dass Kinder spüren: Auch Mama oder Papa sind traurig und Traurigkeit darf sein.
Gemeinsam wird darauf geschaut, ob über den Verstorbenen gesprochen werden kann oder ob die Familie das Gefühl vermittelt, dass Trauer ein Geheimnis bleiben müsse. Ziel ist es, Verständnis für die Situation der Eltern zu entwickeln und gleichzeitig Zusammenhänge zwischen ihrem Verhalten und den Reaktionen des Kindes sichtbar zu machen.

Ein individueller Weg braucht Zeit

Die Wolkenschieber entwickeln gemeinsam mit den Eltern einen individuellen Weg der Begleitung. Dabei wird nichts überstürzt. Je nach Situation können Einzelgespräche mit Eltern und Kindern sinnvoll sein. Manchmal kann es hilfreich sein, das erste Gespräch im vertrauten Zuhause der Familie zu führen.
Voraussetzung für eine Begleitung ist die Bereitschaft der Familie, die Unterstützung anzunehmen. Werden Termine wiederholt verschoben, abgesagt oder nicht wahrgenommen, wird nichts erzwungen und es werden zunächst keine weiteren Termine angeboten. Die Möglichkeit, sich zu einem späteren Zeitpunkt erneut an die Wolkenschieber zu wenden, bleibt jedoch bestehen.

Hilfe darf auch vielfältig sein

Nicht jede Familie wird von den Wolkenschiebern selbst begleitet. Je nach Bedarf kann die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen, beispielsweise der Schulsozialarbeit oder weiteren Fachstellen, sinnvoll und entlastend sein. Entscheidend ist, dass die Familie mit ihrer Trauer nicht allein bleibt und die Unterstützung erhält, die zu ihrer individuellen Situation passt.

Wolfram Kleinemas ist Sozialpädagoge, Gründungsmitglied der Wolkenschieber hat 35 Jahre Erfahrung in der Begleitung von Eltern, Kindern und Familien und hat diesen Artikel verfasst.

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