Das Leben neu zusammensetzen – Fortbildung zur Kindertrauer

Im Sommer entstand die Idee einer fünfteiligen Fortbildung zum Thema Kindertrauer begleiten. Obwohl wir bereits vielfältige Erfahrungen aus unserer Arbeit mitbrachten, haben wir diese Reihe gemeinsam entwickelt und in engem Austausch gestaltet.

Dieser Prozess war für uns Kursleiterinnen kreativ und inspirierend. Gleichzeitig waren wir gespannt: Würde die Zeitplanung passen? Würden die Methoden angenommen werden? Vor allem aber fragten wir uns, ob sich die Teilnehmenden wirklich auf das Thema einlassen würden. Denn klar war: Diese Reihe könnte nur dann gelingen, wenn Offenheit entsteht und persönliche Erfahrungen geteilt werden. Schnell hatten sich 16 Telnehmerinnen gefunden und nach unserem Vorbereitungstreffen im November hatten wir ein gutes Gefühl, dass es mit dieser Gruppen klappen könnte.

Der fehlende Puzzlestein

Eine Übung soll etwas ausführlicher beschrieben werden. Die Teilnehmerinnen bekamen einen Umschlag überreicht, mit der Aufgabe, die Puzzlesteine, die sich darin befinden, zusammenzusetzen und das Puzzle zu gestalten nach eigenen Wünschen. Die Teilnehmenden wussten nicht, dass ein Puzzlestein fehlte.

Eine Teilnehmerin berichtet

„Ich hatte ziemlich schnell eine Idee, wie und was ich damit mache, aber zuerst musste es
ja einmal zusammengesetzt werden … diese Aufgabe konnte ich letztendlich nicht lösen…
Heute habe ich mich trotzdem noch einmal drangesetzt, habe gelegt, gedreht, immer wieder probiert, wieder verworfen. Am Ende blieben drei Teile übrig, die augenscheinlich nirgendwo so richtig passten, und ein Teil fehlte tatsächlich ganz. Ich war genervt, frustriert, ratlos.

Wenn ein Teil für immer fehlt

Doch genau in diesem Moment wurde mir klar: So fühlt sich Trauer an. So fühlte sich auch meine Trauer damals an. Nach dem Verlust eines geliebten Menschen liegt das eigene Leben plötzlich wie ein riesiges Durcheinander von leeren Puzzleteilen vor einem. Man sucht nach Orientierung, nach einer Vorlage, aber diese Vorlage gibt es nicht.
Kein Bild, das zeigt, wie es am Ende aussehen soll.

Stück für Stück ins neue Leben

Auch Trauer hat keine Anleitung. Man versucht, Stück für Stück wieder etwas zusammenzufügen. Man dreht Teile hin und her, probiert aus, verwirft, beginnt neu. Und manchmal bleibt etwas übrig, das keinen Platz mehr hat.

Und manchmal fehlt etwas, das nie wieder auftauchen wird. Dieses eine fehlende Teil – der Mensch, der nicht mehr da ist. Aber das Puzzle meines Lebens bleibt trotzdem meins. Ich kann es neu gestalten, anders, unvollkommen, mit Lücken. Ein neues Bild, das ich mit Liebe, Erinnerung und Mut zusammensetzen kann bzw. zusammengesetzt habe.“

Wir danken allen Teilnehmenden, dass Sie sich auf diesen Kurs eingelassen haben, der durch sie ein besonderer Kurs wurde.

Kursstart und fachliche Grundlagen

Am ersten Abend stand das Kennenlernen im Mittelpunkt. In zufällig zusammengesetzten Gruppen reflektierten die Teilnehmenden ihren eigenen Zugang zur Trauer und kamen miteinander ins Gespräch. Die Rückmeldungen zeigten, wie viel Offenheit bereits dort möglich war. Zudem gab es einen Überblick über Kindertrauer in verschiedenen Altersstufen.
Der zweite Abend widmete sich Trauermodellen, insbesondere dem Trauerkaleidoskop von Chris Paul. In Kleingruppen werden zu den einzelnen Facetten Strategien zur Bewältigung der Trauer gesammelt. Eine Übung mit Tüchern machte anschaulich, dass alle Gefühle stets präsent sind, auch wenn einzelne zeitweise dominieren.

Kreative Zugänge und intensive Gespräche

Am dritten Abend näherten wir uns dem Thema kreativ: Bilderbücher, Trostsalben, Spiele und gestalterische Methoden eröffneten neue Perspektiven – mit überraschenden und berührenden Momenten.
Der vierte Abend stand im Zeichen der Kommunikation. Ausgewählte Rechte trauernder Kinder wurden in einer Art Weltcafé diskutiert. Die Gespräche waren intensiv und empathisch. Besonders bewegend war die Übung mit dem beschädigten Spielzeugauto als Symbol für Verlusterfahrungen. Gleichzeitig durfte auch Leichtigkeit Platz haben.

Bastelrunde
im Gespräch
Kaleidoskop

Abschluss und Ausblick

Der letzte Abend bündelte vieles: Der fehlende Puzzlestein als Symbol für die entstandene Lücke, die dennoch Teil eines Ganzen bleibt und das Kaleidoskop als Symbol für die Vielfalt von Gefühlen.
Die Teilnehmenden konnten erfahren, dass sie ihren Wahrnehmungen vertrauen und den Mut haben können, auf trauernde Kinder und Familien zuzugehen – sei es auch nur, um ihnen zu zeigen, dass sie nicht allein sind.

Wir gehen bereichert aus dieser Reihe und danken allen für Offenheit und Vertrauen. Es war uns eine große Freude, diese fünf Abende gemeinsam zu gestalten.

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