In diesem Artikel wird von den Erfahrungen und Beobachtungen in einer Kindertrauergruppe berichtet.
Wenn ein vertrauter Mensch gestorben ist, sind sich Eltern oft nicht sicher, wie sie ihre Kinder gut begleiten können.
Warum Eltern eine Kindertrauergruppe wählen
Es gibt verschieden Beweggründe für die Anmeldung in einer Kindertrauergruppe:
- Die Eltern möchten nach einem gravierenden Verlust vorsorglich etwas für das Kind tun.
- Das Kind spricht nicht mit seinen Eltern über die Trauer.
- Das Kind hat sich verändert.
- Die Schule weist auf Verhaltensänderungen des Kindes hin und empfiehlt eine Trauergruppe.
Die meisten Eltern haben noch nichts von Kindertrauergruppen (Kinder von 6 bis 10 Jahren) gehört und fragen sich, was in einer Kindertrauergruppe passiert und ob es ihrem Kind helfen könnte. Manche Eltern haben Sorge, ob sich die Ängste des Kindes verstärken, wenn es von den Verlusterlebnissen anderer Kinder hört.
Was in der Gruppe passiert
Es geht in der Trauergruppe darum, jedem Kind mit seiner persönlichen Trauergeschichte und allen Gefühlen, die dazu gehören, Raum zu geben. Wir richten den Blick auch nach vorne, um ein gutes Weiterleben mit der Trauer zu ermöglichen.
Ein sicherer Ort – Gemeinschaft und geteilte Erfahrung
In der Gruppengemeinschaft erfahren die Kinder, dass sie nicht allein sind und dass es auch andere Kinder gibt, bei denen ein Mensch gestorben ist. Jedes Kind der Gruppe hat Verlust erfahren, dass erleichtert es, in der Gruppe offen zu sein. Hier sind Trauer und Verlust normal. Alle Kinder teilen die gleiche Erfahrung. Es ist gut zu wissen, dass die Anderen auch „Trauer-Wut“ kennen oder die besondere Leere, die an eigentlich schönen Tagen wie Geburtstag eintritt. Die Gruppe bietet auf besondere Weise einen sicheren Ort und ein tragendes Netz. Es gibt keine „schlechten“ Gefühle. Jedes Kind kann so sein, wie es sich gerade fühlt, ohne es benennen zu müssen.
Der Ablauf eines Treffens – Begrüßung, Symbole, Rituale

Jedes Treffen beginnt mit einer Begrüßungsrunde, bei der ein Stein mit Symbolen wie Sonne, Wolke, Konfetti, Herz, Träne, etc. herumgegeben wird. Es geht darum, dass die Kinder Worte für ihre Gefühle finden. Oft werden Ereignisse aus dem Alltag berichtet,(da Kinder im Hier und Jetzt leben) aus der Familie oder aus der Schule. Es können schöne oder schwierige Momente gewesen sein. Manchmal zeigen die Kinder auch nur ein Symbol und möchten nicht sprechen. In den ersten Stunden, der gemeinsamen Zeit, teilen die Kinder einmal mit, wer gestorben ist, damit die Gruppe Bescheid weiß. Häufig gibt es noch ein zweites Kind, dessen Mutter gestorben ist oder das um seinen Opa trauert. Es ist gut, es auszusprechen und die anderen wissen zu lassen, um wen man trauert. Wenn es das Kind nicht selber sagen kann oder möchte, fragt die Begleiterin, ob sie es sagen darf.
Gefühle haben Platz – Von Wut bis Neid
Kinder haben für ihre Gefühle nicht automatisch Worte. Das muss gelernt werden. In den Gruppen beschäftigen wir uns viel mit der großen Vielfalt der Trauergefühle und lernen sie auszudrücken und Worte zu finden. Hierbei hilft uns das Spiel, Geschichten und kreatives Material. Manchmal dauert es auch mehrere Gruppenstunden, bis ein Kind etwas von seiner Situation erzählt. Kinder haben die Fähigkeit, die Intensität ihrer Gefühle oder Emotionen unbewusst zu steuern und können sich so vor Überforderung schützen. Sie suchen in der Gruppe auch einfach nach Normalität und freuen sich über Spielpartner. Meistens geht es fröhlich zu, manchmal etwas nachdenklich und traurig, auf jeden Fall sehr lebendig. Hier gibt es keine schlechten oder unerlaubten Gefühle, alles darf gezeigt werden: wütend oder ärgerlich sein, traurig oder verstummt sein, das Beste und Meiste für sich haben wollen, neidisch sein, dagegen sein oder nicht mitmachen wollen. Trotz dieser Unterschiedlichkeit, ist es den Begleiterinnen sehr wichtig, einen wohlwollenden und respektvollen Umgang miteinander in der Gruppe zu üben.
Bewegung und Kreativität als Halt
Bei den kreativen und psychomotorischen Angeboten handelt es sich nicht einfach um Basteln und Toben, sondern um speziell ausgewählte Methoden (angepasst an die Situation der Gruppe) Alle Farben der Gefühle stehen immer wieder im Vordergrund und werden auf verschiedenste Weise sichtbar und fühlbar gemacht und können so leichter begriffen werden. Neben den kreativen Angeboten ist auch Bewegung in Form von Hüpfen, Rennen und Balancieren von großer Wichtigkeit. Der Einsatz des Körpers für Geschicklichkeit, Kraft und Balance hilft den Kindern Selbstbewusstsein, Selbstwirksamkeit und Stabilität zu finden, wenn ihre Welt aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Entwicklung über ein halbes Jahr – Vom „Ich bin ich “ zum „Wir“


Die Gruppe trifft sich im zweiwöchigen Rhythmus für ungefähr ein halbes Jahr, in denen die Kinder eine Entwicklung durchlaufen. Zu Beginn der gemeinsamen Zeit, stehen die Stärkung des einzelnen Kindes, das gegenseitige Kennenlernen und das Vertrautwerden mit dem „Neuen“ im Vordergrund. Im Verlauf der Treffen wächst die Gruppe eng zusammen, sodass eine große Vertrautheit und auch Freundschaften entstehen. Oft bleiben die Familien auch nach dem Ende der gemeinsamen Zeit verbunden und treffen sich in eigener Regie weiter
Parallelangebot für Eltern – Austausch mit Begleitung
Parallel zur Kindergruppe bleiben die Eltern vor Ort und können sich untereinander in Begleitung einer Mitarbeiterin der Wolkenschieber auch zu ihren Erfahrungen austauschen. Nach diesen Gesprächen bereiten die Eltern einen kleinen Snack für die Kinder vor, der vor Abschluss des Nachmittages gemeinsam gegessen wir.
Warum Kinder Zuhause oft schweigen und in der Gruppe reden
Zu Hause reden die Kinder oftmals nicht mit den Eltern über ihre Traurigkeit, weil sie ein feines Gespür dafür haben, dass es den Eltern auch gerade nicht gut geht und die Kinder die Eltern schützen wollen. In der Gruppe müssen die Kinder keine Rücksicht nehmen. Hier ist auch etwas möglich, was Zuhause gerade nicht geht.
Was uns ein Lächeln ins Herz zaubert
Eine Gruppe von Kindern baute gemeinsam am Ende jeder Stunde eine Bude und unterstützten sich gegenseitig dabei. Als die Bude fertig war, saßen die Kinder gemütlich darin und feierten ihren Erfolg mit Keksen. Kinder zeigen oft am Ende der Stunde stolz ihre Kunstwerke. Manche Kinder fragen uns, ob sie wiederkommen dürfen oder ob sie auch mal bei den Wolkenschiebern übernachten dürfen. Das alles zeigt uns, dass sie sich wohl fühlen und in der Gruppe angekommen sind.
Kinder können mit ihrer Trauer lernen zu leben, wenn sie trauern dürfen und der Vielseitigkeit ihrer
Gefühle nach ihrem Tempo Ausdruck geben können.




